Erfundenes Mittelalter
Shownotes
Hypothese über erfundene Zeitspanne...
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Die Episode basiert auf Inhalten von Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erfundenes_Mittelalter
Inhalte wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt oder bearbeitet.
CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/)
Transkript anzeigen
00:00:00: das erfundene Mittelalter.
00:00:04: Das erfundende Mittelalter, auch bekannt unter den Bezeichnungen Phantomzeittheorie oder Phantomzeitthese beschreibt eine Pseudo-historische Verschwörungstheorie nach der knapp dreihundert Jahre der mittelalterlichen Geschichte schlichtweg erfunden worden sein sollen.
00:00:26: Die zentrale Behauptung dieser These besagt dass auf das Jahr in der zeitlichen Abfolge direkt das Jahr neunhundertelf gefolgt sei, wodurch eine beträchtliche Lücke in der uns bekannten Chronologie entstünde.
00:00:43: Der deutsche Publizist, Germanist und Verleger Herribert Illich formulierte diese provokante These im Jahr nineteenhunderteinundneunzig zum ersten Mal und vertrat die Ansicht dass die historische Zeitrechnung korrigiert werden müsse indem man diese vermeintlich erfundenen Jahre einfach aus den Geschichtsbüchern streicht.
00:01:07: Unterstützung fand er bei dem Ingenieur und Technik-Historiker Hans Ulrich Niemitz, der für diesen Zeitraum den Begriff der Phantomzeit prägte.
00:01:18: Nach dieser Vorstellung sei das fränkische Reich nach der Herrschaft von Clota II lediglich ein Produkt menschlicher Fantasie und gezielter Täuschung gewesen.
00:01:30: Dies hätte zur Folge, dass bedeutende historische Persönlichkeiten wie Karl der Große und die Karolinger vor Karl III entweder niemals existiert hätten oder zeitlich völlig anders eingeordnet werden müssten.
00:01:45: In der breiten Öffentlichkeit stießen diese Überlegungen auf ein gewisses Interesse – während die Fachwelt aus Geschichtswissenschaftlern und Medienwisten die Hypothese auf grundzahlreicher methodischer Fehler und nachgewiesener Irrtümer fast ausnahmslos als Pseudo-Wissenschaft zurückweist.
00:02:07: Grundlagen der These und Gegenbelege Die theoretischen Grundlagen dieser Annahme berühren eine Vielzahl wissenschaftlicher Disziplinen, von der Kalenderkunde und Astronomie bis hin zur Archäologie und Numismatik.
00:02:24: Ein zentrales Argument der Theorie ist der Vorwurf einer sogenannten Zirklereferenz innerhalb der modernen Geschichtswissenschaften.
00:02:34: Absolute Datierungsmethoden, wie die Radiokarbon-Methode oder die Untersuchung von Baumringern seien demnach an einer ohnehin fehlerhaften Chronologie kalibriert worden.
00:02:47: Daher könnten diese naturwissenschaftlichen Verfahren nach Ansicht der Verfechter nicht als unabhängige Beweise für die Richtigkeit der herkömmlichen Zeitrechnung dienen da eine neue Chronologie auch eine Neujustierung aller Messmethoden erfordern würde.
00:03:05: Kalenderkunde Im Bereich der Kalenderkunde stützt Herribert Illich seine Überlegungen vor allem auf die große Kalenderreform, die Papst Gregor
00:03:16: XIII.,
00:03:17: im Jahr fifteenhundertzweiundachtzig durchführen ließ.
00:03:22: Bei dieser Reform wurde der alte julianische Kalender korrigiert indem man zehn Tage aus dem Kalenderjahrstrich, um die Zeitrechnung wieder mit dem astronomischen Sonnenjahr in Einklang zu bringen.
00:03:36: Da ein julianisches Jahr im Durchschnitt etwa threehundertfünfundsechzig Komma zweiundzwanzig Tage dauert – das tatsächliche astronomische Jahr jedoch etwas kürzer ist – summiert sich über die Jahrhunderte eine kleine Differenz auf.
00:03:53: Illig rechnete vor dass sich seit der Einführung des julianischen Kalenders im Jahr historic vor Christus bis zum Zeitpunkt der Reform eigentlich eine Abweichung von etwa dreizehn Tagen hätte ansammeln müssen.
00:04:09: Da der Papst jedoch nur zehn Tage korrigierte, schloss Illicht daraus, das etwa dreijahrhunderte in der offiziellen Zeitrechnung zu viel enthalten sein
00:04:19: müssten.".
00:04:21: Er berechnete diesen fehlenden Zeitraum auf genau twohundertsiebenundneunzig Jahre und legte ihn auf die Zeitspanne zwischen dem September sechshundertvierzehn- und dem August neunhundertelf fest.
00:04:35: Fachwissenschaftler widersprechen dieser Rechnung jedoch vehement, und weisen auf einen entscheidenden Denkfehler hin.
00:04:43: Das Datum der Tag- und Nachtgleiche war zum Zeitpunkt der Einführung des julianischen Kalenders unter Julius Caesar gar nicht präzise überliefert.
00:04:55: Stattdessen diente das Jahr dreihundertfünfundzwanzig nach Christus, in dem das erste Konzil von Nicea stattfand als der eigentliche Ausgangspunkt für die Berechnung des Osterfestes und damit für die Kalenderführung.
00:05:11: Damals wurde der einundzwansichste März verbindlich als Frühlingsbeginn festgeschrieben.
00:05:17: Wenn man die Berehnungen nun korrekt bei diesem Jahr ansetzt ergibt sich für den Zeitraum bis fifteenhundertzweiundachtzig eine Verschiebung von etwa zehn Tagen.
00:05:29: Die von Papst Gregor vorgenommene Korrektur ist somit mathematisch und astronomisch völlig konsistent mit der bestehenden Jahreszählung, die päpstliche Bulle glich genau jene Differenz aus, die seit der Spätantike entstanden war.
00:05:47: Somit gibt es aus kalender historischer Sicht keinen Anlass an der Kontinuität der Jahrhunderte zu zweifeln.
00:05:55: Der Kalender blieb über die gesamte Zeitspanne hinweg ein verlässliches Instrument zur Messung der verstreichenden Jahre – Diplomatik.
00:06:07: In der Diplomatik, der Lehre von den Urkunden wird oft behauptet das Originaldokumente aus dem frühen Mittelalter extrem selten sein.
00:06:18: Diese Theorie besagt zudem dass viele Schriften erst viel später gefälscht wurden als man von der alten Majuskelschrift auf die neue Minuskel-Schrift umstellte.
00:06:29: Dabei sollen im zehnten bis dreizehnten Jahrhundert alte Dokumente vernichtet und durch neue manipulierte Versionen ersetzt worden sein, was eine großflächige Zeitfälschung erst ermöglicht hätte.
00:06:44: Die Geschichtswissenschaft hält dem jedoch entgegen das aus diesem vermeintlich leeren Zeitraum etwa siebentausend echte Originaldokumente überliefert sind.
00:06:56: Besonders das neunte Jahrhundert gilt unter Experten sogar als eine der produktivsten Epochen des frühen Mittelalters, was die Anzahl der Autoren und erhaltenen Manuskripte in den Klöstern betrifft.
00:07:09: Das Kopieren von Texten war damals die einzige Möglichkeit der Bewahrung – und eine generelle Abwertung dieser umfangreichen schriftlichen Überlieferungen lässt sich fachlich nicht begründen und hält einer wissenschaftlichen Prüfung nicht Stand.
00:07:27: Vielmehr zeigt die Forschung, dass die schriftliche Überlieferung jener Zeit ein dichtes Netz aus Informationen webt, das sich nicht einfach durch eine spätere Fälschungsaktion erklären lässt.
00:07:42: Archäologie Ein weiterer Stützpfeiler der Hypothese ist die Kritik an archäologischen Befunden.
00:07:52: Es wird argumentiert dass es kaum bauliche Denkmäler aus dem Frühmittelalter gebe und vorhandene Funde oft fälschlicherweise in die Zeit zwischen dem siebten- und zehnten Jahrhundert datiert worden seien.
00:08:07: Als Beispiele wurden hierbei oft Fundstätten in Bayern herangezogen, um das fehlend materieller Hinterlassenschaften der Carolingerzeit zu belegen.
00:08:17: Dem widersprechen jedoch zahlreiche archiologische Fachpublikationen die eine Fülle von Funden für eben diese Epoche dokumentieren.
00:08:27: In Städten wie Paderborn lassen sich die Siedlungsschichten der Karolingerzeit ganz eindeutig und schichtweise nachweisen.
00:08:36: Viele dieser Grabungsfunde sind heute in Museen für die Öffentlichkeit zugänglich, belegen eine kontinuierliche Besiedlung – auch die Dendrokronologie, die das Alter von Holzproben anhand der Jahresringe bestimmt liefert präzise Daten die der Theorie der fehlenden Jahrhunderte widersprechen und die Existenz der fraglichen Zeitspanne untermauern.
00:09:02: Astronomie Obwohl astronomische Betrachtungen ursprünglich nicht zum Kern der These gehörten, spielen sie heute eine wichtige Rolle bei der Wiederlegung der Phantomzeit.
00:09:15: Astronomische Rückrechnungen ermöglichen es nämlich historische Himmelserscheinungen exakt zu datieren.
00:09:23: Verfechter der Theorie behaupten zwar dass solche Berechnungen aufgrund unsicherer Quellen nicht aussagekräftig sein.
00:09:31: Doch die Gesamtheit der Berichte ergibt ein sehr stimmiges Bild der Vergangenheit.
00:09:36: Ein markantes Beispiel sind die Aufzeichnungen von Hudacius, von Aqué Flavier – der im heutigen Portugal zwei totale Sonnenfinsternisse beschrieb.
00:09:47: Er datierte sie auf den neunzehnten Juli vierhundertachzehn und den dreiundzwanzigsten Dezember vierhundertsiebenundvierzig was einem zeitlichen Abstand von etwa dreißig Jahren entspricht.
00:10:00: Moderne astronomische Berechnungen bestätigen diese Daten für diesen Ort mit höchster Präzisionen.
00:10:07: Zusätzlich zu diesen Finsternissen gibt es dokumentierte Beobachtungen des Halläischen Kometen und eine Sonnenfinsternis aus dem Jahr neunundfünfzig nach Christus, die sich nahtlos in den etablierten Zeitstrahl einfügen.
00:10:23: Würden tatsächlich dreihundert Jahre in der Chronologie fehlen, müssten diese astronomischen Ereignisse an völlig anderen Positionen im Kalender erscheinen oder der gesamte Sternenhimmel müsste sich heute anders präsentieren.
00:10:38: Da die mathematischen Modelle der Planetenbewegungen jedoch exakt mit den überlieferten Beobachtungen aus der Antike und dem Mittelalter übereinstimmen lässt sich die These eines künstlich verlängerten Zeitraums physikalisch ausschließen.
00:10:54: Die Konsistenz zwischen historischen Texten und den Gesetzen der Himmelsmechanik bildet somit eine unüberwindbare Hürde für die Annahme einer erfundenen Epoche, und stützt die herkömmliche Zählung der Jahre nachhaltig.
00:11:09: So zeigt die Astronomie eindrucksvoll dass die Zeitrechnung ein stabiles Gerüst bildet das weit über menschliche Aufzeichnungen hinaus reicht.
00:11:20: Mögliche Urheber und Motive Wenn man von einer bewussten Täuschung ausgeht, stellt sich zwangsläufig die Frage nach den Verantwortlichen und ihren Beweggründen.
00:11:34: Nach den Vorstellungen der Theoretiker hätte nur ein kleiner mächtiger Kreis von Herrschern eine Fälschungsaktion von globalem Ausmaß koordinieren können.
00:11:45: Herribert Illich identifizierte im Jahr zwei tausend fünf den römisch-deutschen Kaiser Otto
00:11:51: III.,
00:11:52: den büzantinischen Kaiser Konstantin VII und Papst Silvester II als die mutmaßlichen Drahtzieher.
00:12:01: Nur in der kurzen Zeitspanne zwischen den Jahren ninehundert neunzig-und eintausendneuen sei die Zusammenarbeit zwischen diesen Mächten eng genug gewesen, um ein solches Projekt umzusetzen.
00:12:15: Als Motiv wird ein tiefes spirituelles Bedürfnis angeführt die prestigeträchtige Jahreszahl eintausend zu erleben und damit die Jahrtausendwende nach christlicher Zeitrechnung zu feiern.
00:12:28: Zudem soll Otto III den Wunsch gehegt haben, in der Person Karls des Großen einen rumreichen und idealisierten Vorfahren zu erschaffen um die eigene Herrschaft zu legitimieren und zu glänzen.
00:12:42: Auf diese Weise wäre eine glorreiche Vergangenheit konstruiert worden die dem damaligen Herrschaftsanspruch ein historisches Fundament verliehen hätte.
00:12:54: Weitere chronologiekritische Thesen Die Idee, dass Dokumente in großem Stil gefälscht wurden ist kein völlig neues Phänomen in der Literatur.
00:13:05: Bereits in den nineteenhundertzwanziger und neunzehnhundertdreißiger Jahren vertrat Wilhelm Kamaier die Ansicht das im fünfzehnten Jahrhundert eine massive Fälschungswelle stattgefunden habe.
00:13:20: Während es Kamaer jedoch primär um eine ideologische Kritik ging und weniger um die Veränderung des zeitlichen Rahmens, finden sich in den Arbeiten von Illig auffällige Parallelen zu diesen älteren Schriften.
00:13:35: Einige Quellenangaben- und Argumentationsmuster deuten darauf hin, dass wesentliche Teile der neueren Thesen auf diesen älteren Überlegungen basieren – ohne das dieser Ursprung für die Leserschaft immer sofort ersichtlich gemacht wurde.
00:13:51: Diese Kontinuität zeigt dass die Skepsis gegenüber der schriftlichen Überlieferung eine längere Tradition hat, als es der aktuelle Diskurs vermuten lässt.
00:14:03: Verschwörungstheorie Die Fachwelt und die mediale Berichterstattung ordnen die Behauptungen über die Phantomzeit heute fast einhellig als Verschwörungstheori ein.
00:14:17: Philosophen wie Karl Hepfer weisen darauf hin, das diese These ein typisches Merkmal solcher Denksysteme aufweist.
00:14:26: Es wird zwar sehr viel Mühe darauf verwandt, die rationale Vorgehensweise und die Logik der vermeintlichen Verschwörer zu erklären.
00:14:35: Doch die Sinnhaftigkeit des Ziels selbst wird kaum hinterfragt.
00:14:40: Warum dreimächtige Instanzen einen so gewaltigen Aufwand betreiben sollten um fast drei Jahrhunderte Geschichte zu erfinden bleibt rational schwer nachvollziehbar.
00:14:52: Die Komplexität, die nötig wäre Um alle archäologischen, astronomischen und schriftlichen Zeugnisse weltweit synchron zu fälschen übersteigt jede menschliche Organisationsfähigkeit.
00:15:06: Trotz der fehlenden wissenschaftlichen Basis bleibt die Vorstellung einer erfundenen Zeit jedoch ein faszinierendes Beispiel dafür wie alternative Geschichtsbilder in der modernen Gesellschaft eine anhaltende Aufmerksamkeit erfahren können indem sie an unserem grundlegenden Verständnis von Zeit und Geschichte rütteln.
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